Erste Lesung aus dem ersten Korintherbrief (2,6-10)
Evangelium nach Mt (5,17.20-24.27-28.33-34):
In unserer immer komplizierter werdenden Welt brauchen wir mehr denn je Orientierung. Welcher ist der richtige Lebensweg? Was sollen wir tun? Wie sollen wir handeln? Dabei geht es nicht an erster Stelle um ein Wissen, denn Wissen haben wir im Überfluss. Wir brauchen nur im Internet nachzuschauen und innerhalb einiger Sekunden bekommen wir alles Wissen, das wir brauchen. Hilft uns das aber weiter?
Mehr als Wissen brauchen wir in unserem Leben Weisheit, die uns sagt, was für uns wirklich gut ist. Paulus redet von einer tiefsinnigen Weisheit, Gottes Weisheit, die anders ist als die Weisheit dieser Welt. Wo Menschen im Sinne Gottes leben, geht es anders zu als in unserer jetzigen Welt! Als Christen sollen wir nicht nach den Buchstaben der 10 Gebote leben, sondern nach ihrem tieferen Sinn.
Die Bibelforscher sagen uns, dass es in der ursprünglichen Sprache der Zehn Gebote nicht heißt „Du sollst“, sondern „Du wirst“. Wenn du mich, deinen Gott liebst und wirklich Vertrauen zu mir hast, dann wirst du anders handeln. Dafür gibt Jesus einige Beispiele: nicht töten, nicht morden und so weiter. Nicht weil es verboten ist, sondern weil du in deinem Inneren spürst, dass das falsch ist.
„Du wirst nicht töten.“ Ist in unserem Empfinden ja irgendwie selbstverständlich. Aber ich kann das Leben eines Menschen auch zerstören, wenn ich ihn beschimpfe oder beleidige, ihn mobbe, ihn in seiner Würde herabsetze, so dass er sich selbst nur noch als minderwertig vorkommt. Ich kann z.B. auch Rufmord begehen. Solches Verhalten ist in den Augen von Jesus auch schon eine Art „Mord“, ohne physisch umzubringen. Und bevor ich das tue, haben sich schon viele Wut-, Hass-, Rachegefühle und Aggressionen innerlich, in meinem Herzen aufgestaut. Hier, im Herzen, beginnt schon das Morden.
„Du wirst keine Ehe zerstören!“ Man kann die eigene Ehe zerstören und in die Ehe eines/einer anderen „einbrechen“. Auch diese Tat wird schon längst vorbereitet im Kopf und im Herzen, indem man die oder den Andere(n) begehrt, bevor nach außen eine Tat erfolgt ist.
„Du wirst keinen Meineid schwören“, d.h. nicht falsch aussagen vor Gericht. Aber auch nicht in den alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen. Du sollst überhaupt nicht das Bedürfnis haben, zu schwören, d.h. mit Kraftworten deine Glaubwürdigkeit zu bestätigen. Du sollst für andere ganz normal und selbstverständlich glaubwürdig sein, weil du immer zu deinem Wort stehst, weil dein „Ja“ immer ein „Ja“ und dein „Nein“ immer ein „Nein“ ist. Ich muss nicht immer die Wahrheit sagen, aber was ich sage muss wahr sein.
Du wirst den Tag des Herrn heiligen. Den Tag des Herrn heiligst du nicht wenn du nur in die Kirche gehst und Gottesdienst feierst. Deine Beziehung zu Gott ist nicht echt, wenn du in Unfrieden mit deinen Mitmenschen lebst. Geh zuerst hin und versöhne dich mit deinen Mitmenschen. Dann erst kann deine Beziehung zu Gott richtig sein.
In den Augen Gottes bin ich also gerecht, lebe ich richtig, wenn nicht nur meine äußeren Worte und Taten, sondern auch mein Herz mit dem Sinn der Gebote übereinstimmt. Meine äußeren guten Taten sollen Ausdruck einer inneren guten Einstellung sein. Es geht nicht um die Buchstaben des Gesetzes, sondern um die Erfüllung ihres tieferen Sinnes.
Augustinus hat es auf den Punkt gebracht: „Liebe, und tue dann, was du willst.“ D.h.: Alles was ich sage und unternehme, soll mit Liebe geschehen. Erst dann erfülle ich den Willen Gottes. Das ist die wahre Weisheit.